“Heimat ist immer hier und jetzt. In dir.” – Nürnberger Nachrichten

Abuna Semai

von Abuna Semai

8. Dezember 2017

Letzte Woche wohnten wir via Airbnb bei einer Journalistin, die uns spontan zu einem Interview einlud. “Zeitung” ist immer ein bisschen so, was alle Beteiligten daraus machen. Wahre Worte so wie Unstimmigkeiten sind spürbar, was daraus gemacht wird, trägt jeder für sich selbst. Es ist schön, dass das was wir leben ein wenig in der Öffentlichkeitsarbeit schnuppern durfte, es ändert jedoch nichts an dem was ist, gewesen war und sein wird. // Danke Janna fürs Zusenden
Laura

Da unser Leben und unser Wirken in einem einstündigen Interview zu erfassen selbst für erfahrene Journalisten schwierig ist, haben wir hier einige Stellen des Artikels einmal ausführlicher behandelt. 😉

Nuernberg Artikel

Foto von Michael Fischer Fotografie

 

Hier unsere “Übersetzung” 🙂

 

„Zuhause ist dort, wo das Herz ist.“ Diesen Spruch hat Stefan, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte nicht nennt, weil er ihn für unwichtig erachtet, weder an seinem Kühlschrank kleben noch irgendwo als Holzschild in der Küche hängen. Der 41-jährige lebt diesen Spruch. Seit 2011 hat er keinen festen Wohnsitz mehr, weil er berufsbedingt bedingt durch sein Wirken sowieso die ganze Zeit unterwegs ist, sagt er. Mit Partnerin Laura gibt er weltweit Meditationskurse Workshops und Retreats, die sie “Begleitungen” nennen, und kam dadurch auch nach in Nürnberg vorbei. Ein Paar im klassischen Sinn sind die beiden nicht, sie nennen es „Liebe leben“. Vor zwei Wochen hat nun auch die 31-jährige ihre Wohnung in Berlin aufgegeben. Gemeinsam mit Lauras vierjähriger Tochter Maja lebt das Paar leben die beiden abwechselnd in seinem Van, mittels Airbnb bei Fremden, bei Freunden und Bekannten, oder den Organisatoren der Workshops. Und vermisst nichts. Und keiner von den Dreien vermisst etwas.

Stefan, wie kam es dazu, dass du deinen Wohnsitz aufgegeben hast? Spontane Eingebung oder lange geplant?

Stefan: Bei mir hat das schon einigen Jahren angefangen. Damals hatte ich eine Eigentumswohnung in Aachen und ich bin beruflich viel herumgereist. Ich habe dann gemerkt, dass ich im Jahr insgesamt nur ein paar Wochen dort bin. 2011 habe ich die Konsequezen daraus gezogen, mich aus Deutschland abgemeldet, bin aus der Krankenkasse ausgetreten.

Du hast keine Krankenversicherung mehr?

Stefan: Ich fand das System falsch. Allein den Namen finde ich falsch. Ich habe mir gesagt, dass ich einen besseren Weg finden muss. Für mich war die Lösung Artabana, das ist eine Gemeinschaft von Leuten, die alle einen frewilligen Beitrag in einen gemeinsamen Topf zahlen. Wenn jemanem etwas passiert, wird es aus dem Gruppentopf getragen.

Laura: Es handelt sich einfach dabei um eine Solidargemeinschaft und, sozusagen eine wirkliche Alternative zur Krankenkasse.

Das ist ein großer Schritt…

Stefan: Bei dem natürlich auch ganz viele Ängste frei weden. Wie man mit ihnen klarkommt, ist im Übrigen eines meiner Hauptanliegen in meinen Kursen. Weil Konflikte und Ängste zu Krankheiten führen.

Was ist es genau, was ihr beruflich macht?

Stefan: Angefangen habe ich mit Selbsterforschung und bin dabei den Fragen nachgegangen: Wer oder was bin ich? Warum bin ich auf diesem Planeten? Was ist der Sinn? Dabei habe ich herausgefunden, dass das über Meditation sehr gut funktioniert. Und dann kamen auch schon die ersten Menschen auf mich zu, die es ebenfalls wissen wollten. So haben sich die ersten Workshops entwicklet. Das ist inzwischen so gewachsen, dass wir bis zum nächsten Jahr im Winter komplett verplant sind mit Coachings Workshops.

Laura: Dazu muss man sagen, dass wir ausschließlich auf Spendenbasis arbeiten. Und gespendet wird zudem immer erst nachher, weil vorher ja noch niemand wissen kann, was es ihm gebracht hat und ihm wert ist. Workshops, die wir auf Spendenbasis anbieten, sobald jemand von Herzen den Raum dafür eröffnet. Das heißt, jedem steht der Raum offen, diese Inhalte zu erleben und in seinem Ermessen eine Spende zu geben, was ihm das Erfahrene wert ist.

Stefan: Dass es überhaupt funktioniert, finde ich ganz schon verrückt. Es war kein Businessplan, den ich gemacht habe, sondern die Idee kam beim Meditieren während eines Vipassana-Kurses nach S.N. Goenka in einem Ashram auf Sri Lanka. Dort kam die Eingebung, dass ich ab sofort die Sonnenmeditation auf Spendenbasis anbiete, aber nur noch unter dem Namen Abuna Semai, und nur, wenn mich jemand danach fragt. Deswegen tut auch meine Nachname nichts zur Sache, der gehört zu meinem alten Leben.

Wie sah das vorher aus?

Stefan: Ich war Coach für NLP, also angewandte Psychologie, Partnerschaft, Liebe, Sex…, solche Themen.

Wie bist du aufgewachsen? Haben deine Eltern einen alternativen Lebensstil geführt?

Stefan: Nein ganz und gar nicht. Meine Eltern sind sesshaft, ganz normal, wenn man das so nennen möchte. Ich bin zur Schule gegangen, habe das Abitur gemacht – das ganze Programm. Ich habe ein paar Semester Medizin studiert, aber gemerkt, das gefällt mir nicht. Es war mir zu einseitig, weil es nur auf den Körper bezogen war. Psychologie hat mich interessiert. Und Lehramt. Aber irgendwie war auch das alles zu einseitig. Ich war frustriert, weil ich dachte: Das, was ich will, weiß ich noch garnicht, aber das, was es gibt, ist es nicht. In meinem jetztigen Beruf Leben und Wirken kann ich alle drei Dinge verbinden.

Das konntest du in deinem „alten“ Leben als Partnerschafts-Coach auch, zudem warst du so erfolgreich, dass du dir eine Eigentumswohnung geleistet hast. Gab es ein bestimmtes Ereignis, weshalb du dich entschlossen hast, alles hinter dir zu lassen?

Stefan: Das war eine Kette von Ereignissen. Ich hatte alles, was man sich so vorstellen konnte. Ich wüsste nicht, was mir – rein gesellschaftlich gesehen – gefehlt hätte. Es kamen aber trotzdem noch immer viele Fragezeichen. Es war wie eine Art Sättigung. Ich habe damals viel gearbeitet, viel Geld verdient und war kurz vor dem Burn-out, ohne es zu merken. Das war 2008. Irgendwer hat mir damals geraten, einen Vipassana-Kurs zu besuchen. Das ist ein Meditationskurs auf Spendenbasis. In diesen zehn Tagen habe ich viel über mich erfahren mehr über mich erfahren, als durch zahlreiche Ausbildungen, verschiedene Studien und hunderte gelesener Bücher. Danach kam eines zum anderen: das Meditieren, der Ashram, noch mehr Meditationskurse, die ersten Menschen, die auf mich zugekommen sind, die Workshops…

Ist es dir schwergefallen, dein damaliges Zuhause zu verkaufen?

Stefan: Zuerst habe ich mich nur aus Deutschland abgemeldet. Meine Wohnung habe ich nicht gleich verkauft, weil ich nicht wusste, ob es funktionieren wird. Sie war mein Rettungsanker. Und ich habe mir gedacht, die Mieteinnahmen sind gut und nett, falls es mal nicht läuft. Anfang des Jahres habe ich sie jetzt aber doch verkauft, da Rettungsanker Angstmotivationen sind, die viel Lebendigsein kosten.

Was bedeutet „Zuhause“ heute für dich?

Stefan: Das ist ganz wichtig und ein Kernbegriff von dem, was wir lehren. Es heißt ja so schön: „Home is where your heart is“ – und ich habe gemerkt: das wird völlig falsch verstanden. Meistens sind es Orte, Zeiten oder Personen, die als Heimat bezeichnet werden. Wenn man sich den Spruch „Heimat ist dort, wo dein Herz ist“ aber genau ansieht, dann merkt man, dein Herz schlägt immer hier (klopft sich auf die Brust). Und egal wo du jetzt gerade bist, genau da ist auch deine Heimat. Laura und ich haben keinen Ort, keine Person keinen Menschen oder Zeit, die wir als Zuhause bezeichnen würden. Meistens, wenn jemand sagt: Ich gehe nach Hause, dann geht er in seine Wohnung. Aber wo ist denn sonst die ganze Zeit? In der Fremde?

Laura: Der Spruch wird völlig falsch fehlinterpretiert: Zuhause ist ein Gefühl, ein Zustand.

Ergänzung von Abuna Semai: „Die Heimat“ ist der erste Schöpfungsbereich unter dem Göttlichen, ein von uns aus gesehen sehr weit entfernter Ort. Seine Aufgabe ist es, die Anbindung an das Göttliche überall in der Schöpfung erfahrbar zu machen. Wir sind uns des Strahlens dieser Heimat nicht mehr bewusst und fühlen uns verloren. Alle Bestrebungen, die Menschen machen, sind letztlich nur Bestrebungen diese Anbindung wieder zu erfahren: Das du nicht allein bist. Das du immer geliebt bist. Und das du vollkommen bist, wie du bist und nichts tun musst und kannst, um besser zu werden.

Wie es bei dir, Laura? Eigentlich will man für sein Kind doch ein Nest bauen?

Laura: Während der Schwangerschaft wollte ich das auch. Aber mir ging es ähnlich wie Stefan. Ich war in einer Partnerschaft, dann kam Maja, wir haben in einer schönen Altbauwohnung in Berlin gelebt und ich hatte ein wenig Geld gespart. Ich hatte alles und war trotzdem unglücklich. Irgendwann habe ich mich gefragt, warum das so ist, und beschlossen, „Ja“ zu mir zu sagen. Das hat eine Lawine ins Rollen gebracht. Ich habe einen Workshop von Stefan besucht. Unabhängig davon habe ich mich danach von meinem damaligen Partner getrennt, was ein Segen für uns ist gewesen war, weil es uns allen jedem damit jetzt viel besser geht. Monate später habe ich Stefan wiedergesehen und irgendwann meinen ersten eigenen Kurs Workshop gegeben. Vor zwei Wochen habe ich dann auch meine Wohnung in Berlin gekündigt aufgelöst, da ich bereits seit 1,5 Jahren so viel unterwegs bin, dass sich diese nicht mehr gelohnt hat bzw. ich gemerkt habe, dass wir sie nicht mehr brauchen.

Stefan ist nur für sich verantwortlich, Du bist mit deiner Tocher unterwegs. Für sich selbst kann man ja verzichten. Aber beim eigenen Kind fällt das vermutlich viel schwerer…

Laura: Das Wichtigste ist, auf das Bedürfnis Bedürfnisse einzugehen. Wenn Maja zum Beispiel etwas möchte, was gerade einfach nicht geht, dann höre ich ihr zu und frage sie, ob das machbar ist. Sie beantwortet es sich dann selber und wir finden eine Lösung. Sie macht das alles ja auch freiwillig. Ich lasse ihr immer die Wahl, ob sie zurück nach Berlin gehen möchte. Sie hat die Wahl zu entscheiden, wo sie sein möchte und sie wählt selbstbestimmt mich zu begleiten und manchmal wählt sie woanders zu sein, das kommt sogar unterwegs vor, dass sie bei Menschen ihre Zeit verbringt, bei denen sie sich wohl fühlt, obwohl ich dabei bin.

Maja hat bei ihrem Vater einen festen Wohnsitz, wenn sie möchte. Wie sieht bei euch die Zukunft aus, glaubt ihr, ihr wollt das irgendwann auch wieder?

Laura: Wir stellen uns überhaupt nichts mehr vor. Wir leben jeden Moment, so wie er ist und kommt. Wir machen uns keinen Plan für das was kommt. Wir haben Termine beispielsweise für die Workshops, ob diese tatsächlich stattfinden wissen wir auch immer erst dann, wenn sie passieren.

Habt ihr noch irgendwo Sachen aus eurem alten Leben, von denen ihr euch nicht trennen wolltet?

Stefan: Ich habe noch ein paar Sachen bei einem Freund im Keller. Ein paar wertvolle antiquarische Bücher, mein Bett von früher, das ich aufheben wollte, weil gut schlafen für mich enorm wichtig ist. Ich werde es jetzt aber verkaufen, weil ich gelernt habe, dass sich das Schlafen überall gleich gut anfühlt.

Laura: Bei mir steht eine einzige Kiste bei einem Freund von mir. Darin ist eine wärmere Jacke für kalte Tage und solche Dinge wie die Originalverpackung von meinem Handy, falls ich das mal verkaufen möchte.

Ihr habt auch sonst nicht viel dabei, nur sehr wenig Gepäck. Jeder hat nur einen Rucksack oder Koffer, gibt es darin etwas, an dem ihr sehr hängt?

Laura: Gar Nichts, ich habe mich von den Dingen gelöst. Ich bin sehr oft umgezogen in meinen Leben und habe mich irgendwann gefragt: Brauche ich die Dinge, die ich mitschleppe, wirklich? Bei einem Umzug waren es 20 Kartons, beim nächsten 10 und bei meinem letzten war es eine einzige Kiste. Mein Herz hängt an mir selbst an nichts mehr.

Stefan: Ich mag die Dinge, die ich habe, aber ich brauche sie nicht. Sagen zu können: Ich brauche nichts, ich habe alles, ist Fülle Luxus für mich. Alles andere ist keine Luxus.

www.gottmensch.de und www.lebedeinherz.org

Autor


Abuna Semai

Abuna Semai

All mein Wissen lehre ich frei allen zugänglich und immer & allerorts rein auf Spendenbasis. Wissen ist nur das, was erfahren und verstanden wurde und nicht bloß aus Büchern oder der Meinung anderer weiter gegeben wird. Durch meine Meditationen vertiefen sich fortlaufend meine Erkenntnisse und ich teile sie mit jedem, der sich dafür interessiert. Möge es dich inspirieren und den Weg zu dir Selbst freudvoll erleichtern.


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