Vipassana … das erste Mal 2

“Ich mache jetzt gar nichts mehr!”
war frei übersetzt Buddha’s Aussage nach langer und erfolgloser Suche nach einem Weg sich von allen Leiden zu befreien. Er setzte sich unter einen Baum und beschloss nichts mehr zu tun, bis er erleuchtet sei, auch wenn ihm seine Beine dabei abfaulen sollten. Als alle Leiden erkannte er jede automatisierte Bindung an das Weltliche, andere Worte dafür sind Konditionierungen oder Samskaras.
Eine solche Entschlossenheit ist tatsächlich nötig, will man zur letztendlichen Wahrheit von allem gelangen. Jedoch muss diese nicht so dramatisch ablaufen und man darf seinen Körper dabei gesund erhalten ;). Der Wille zum Nichts(tun), der Hingabe, ist der Schlüssel. Buddha’s gelehrte Kerntechnik heißt Vipassana, wenn es darum geht jede automatisierte Bindung an das Weltliche zu entkoppeln. Ich habe mir in recht vielen Traditionen angesehen, was unter “Vipassana” verstanden und gelehrt wird und komme aus Erfahrung zum Schluss, dass nur Vipassana wie gelehrt von S.N. Goenka tatsächlich die Effektivität und Tiefe hat, die für dieses Vorhaben funktioniert.

Vipassana ist eine Einsichtmeditation. Anders ausgedrückt, sie führt zu einer erhöhten Bewusstheit und Feinfühligkeit, um über die eigene Erfahrung zur Erkenntnis über Grundwahrheiten zu gelangen. Diese Erkenntnis beinhalten die Vergänglichkeit alle Schöpfung (Anicca); wie Leid entsteht und Halt nicht innerhalb der Schöpfung erfahren werden kann (Dukkha); was alles nicht Ich ist (Anatta) – und letztlich dadurch indirekt die Möglichkeit zu erfahren, was man selbst, das Selbst ist.
“Wahre Liebe entsteht aus Einsicht. Verstehe, dass du nichts besitzt, dass alles, was dich umgibt, nur vorübergehend ist, dass nur die Liebe in deinem Herzen für immer bestehen wird.”
Buddha
Ich selbst habe für mich als ideal erfahren, dass drei Selbstkurse pro Jahr mit 10 oder mehr Tagen und tägliche Meditation mich “auf Spur halten”, dh dass ich das Maß an Bewusstheit, Frieden, Freude, Feinfühligkeit und Entspanntheit aufrecht erhalten und Erkenntnisse vertiefen kann. Insgesamt sind dabei 30 Kurse zusammen gekommen (Stand Sommer 2021).
Hin und wieder werde ich gefragt, ob es Tipps gibt, den ersten Kurs möglichst effektiv und angenehm ablaufen zu lassen. Ja, es gibt einiges Weltliche und Energetische, das mir selbst die ersten Kurse erleichtert hätte. Dies sind keine Änderungen an der Technik, die genau so wie vor Ort gelehrt praktiziert werden sollte.
Das erste Mal Vipassana | Meine Tipps
per Audio und zusammengefasst als Stichpunkte, Dauer 31min
Weltlich
• Kaltes Wasser am Morgen führte bei mir zu Magenknurren: besser warmes Wasser oder Tee trinken
• Thermoskanne mitnehmen für Tee mit Honig am Morgen, falls das Frühstück dir zu spät ist
• Ohrstöpsel
• Lüften mit Mitmeditierenden im Schlafraum klären
Energetisch
• Keine Techniken mischen; wenn etwas intuitiv geschieht, ist das ok
• Wenn es mal scheinbar unerträglich schwer wird, den Abendvortrag abwarten, dieser ist immer aufbauend
• Höheres Sitzkissen, oder Kissen/Decke unter die Knie, wenn Beine einschlafen
• Wenn Beine einschlafen: Nicht Hände auf die Knie, sondern in den Schoß
• Öfter auf die Beine und den unteren Rücken meditieren, wenn die Beine dennoch einschlafen
• Beim angespanntem Aufstehen nach langem Stillsitzen: Bewege dich in Slow-motion
• Wenn Gedanken stören: Lange durch die Nase ausatmen, bzw. kurz einmal stoßhaft durch die Nase ausatmen
• Beim Verbeugen fließen auch aufgestaute Energien ab
• Barfußlaufen hilft abzuleiten
• Hier geht’s zu meiner Gehmeditation, unter “Meditationen”
• Falls Gleichmut einmal nicht ausreicht, probier’s mit Frieden
• Das Beste kommt an Tag 10 und 11 – halte durch! 🙂

Die Audio für danach
Wer zum ersten Mal so ein 10-Tages-Erlebnis hatte, findet sich häufig mit zahlreichen neuen Eindrücken und Fragen wieder, die in der Regel unbeantwortet bleiben. Weder Lehrer noch Mitmeditierende sind willens und meist auch nicht wissend genug, darauf einzugehen. Einige der Hauptkritikpunkte habe ich hier zusammengefasst. Eine Audio, die nach Anfrage eines Meditierenden mit scharfer Beobachtungsgabe entstanden ist.
Zusammenfassung der inhaltlichen Punkte aus einer Vipassana-Rückmeldung:
- Teilnehmer & Erfahrungsniveau: Warum haben die meisten Teilnehmer keinerlei oder nur minimale Meditationserfahrung?
- Lehrer: Die Kommunikation verläuft recht einseitig. Warum werden tiefer gehende Fragen nicht beantwortet?
- Kursatmosphäre & -haltung: Die sehr tiefe Versenkung in die Vipassana-Lehre wirkt dadurch einseitig, es gibt wenig Blick nach rechts/links.
- Hierarchie: Warum sitzen die Lehrer immer erhöht und Teilnehmer unten?
- Essen: Vegetarisch und nur zwei Mahlzeiten am Tag erscheinen mir keine ideale Ernährung und wirken auch unbefriedigend, weil irgendwie etwas fehlt… warum wird das gemacht?
- Temperaturprobleme: Die Dhamma-Halle und Zimmer sind manchmal gefühlt zu warm oder kalt, was persönlich anstrengend sein kann.
- Schlaf & Nickerchen: Ich war oft sehr müde und brauchte viele Nickerchen. Ist das normal?
- Körperliche Beschwerden: Ich hatte starke, und vorher unbemerkte Verspannungen, die das lange Sitzen zur Tortur machten. Ich wechselte ständig zwischen Sitzpositionen.
- Emotionale Prozesse: Im Fortschreiten des Kurses kamen starke emotionale Reaktionen, wie Traurigkeit, Tränen, Pressatmung, beim Lösen von Themen. Ich musste die Atmung drosseln, um andere nicht zu stören. Ein Teilnehmer musste wegen zu lautem Weinen sogar die Halle verlassen.
- Vergleich der Meditationstechniken: Vipassana wirkt wie ein „leicht geöffneter Wasserhahn“, langsam, aber stetig. Andere Techniken, zum Beispiel Sonnenmeditation, erscheinen mir stärker und intensiver.
- Langeweile: Das Immergleiche in der Meditation wirkt oft so langweilig, dass viele sich wiederfinden, wie sie sich geistig ablenken, mit Pläne schmieden, Tagträumen, usw.
- Sila-Regeln (Moralregeln): Viele empfinden sie als Dogmen (zu unpräzise, allgemein, realitätsfern). Sind sie wirklich so wichtig?
- Sprache der Lehre: Sind manche Begriffe, wie „Unreinheiten“, nicht zu sehr eine wertende Schwarz-Weiß-Denke?
- Nachwirkung zu Hause: Die schmerzhaften Verspannungen sind fast weg – aber vermutlich nur nicht mehr wahrgenommen. Beim Meditieren merke ich, dass ich deutlich weniger feinfühlig beim Body-Scan bin als während des Kurses.
- Tägliche Praxis-Empfehlung: Die Empfehlung ist ja zwei Stunden täglich. Ist das nicht wieder ein Dogma, denn mit allen anderen Vorhaben, die man so im Leben hat, zum Beispiel Sport, summiert sich das schnell.
- Integration in den Alltag: Viele zweifeln, ob man zwei Stunden dauerhaft einbauen kann, besonders wegen Schlafproblemen. Wie ist die Erfahrung mit täglicher Praxis und kann Meditation Schlaf kompensieren?
- Motivation & Gesamteinschätzung: Warum macht man sich diese Mühen? Und gibt dem soviel Lebenszeit? Viele erkennen, dass es ihnen gut tut, aber ist es nicht zuviel des Guten?
- Fragen an Abuna Semai: Wie ist deine tägliche Praxis? Was ist dein Ziel?
Wer darf die Antwort-Audio anfragen?
Alle, die bereits mindestens einen Vipassanakurs nach Goenka vollständig absolviert haben.
Länge: 56min. Anfrage über das Kontaktformular oder im Telegram-Kanal.













Begleiter:
Von Sinnlosigkeit, Grundloser Freude


Sprache: deutsch

Begleiter: 

Inhalt









„Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“
